Aus dem Leben eines Gründers

Einen großen Teil unseres Lebens verbringen wir auf der Arbeit. Als “normaler” Beschäftigter, Angestellter hält sich das in einem gewissen Rahmen, da es sich meistens um einen “9-to-5 Job” handeln wird. Je mehr Verantwortung, Personalführung, Managementaufgaben der Job erfordert, desto mehr kann sich ein Arbeitstag in die Länge ziehen, desto stärker wird wohl auch das Privatleben beeinflusst.

Wie kann man sich das Ganze dann erst als Gründer vorstellen? Dieser und weiteren spannenden Fragen wollen wir heute im Gespräch mit einem unserer Gründer und CEO Niklas nachgehen.

Was waren und sind für dich spezielle Herausforderungen als Gründer, v.a. zu Beginn?

Bei uns war es besonders deshalb eine spezielle Situation, weil wir (Christian und Niklas) noch während des Studiums das Unternehmen gegründet haben. Wir hatten eigentlich überhaupt keine richtige Berufserfahrung und erst recht keine Erfahrung im Bereich “Unternehmersein/Gründersein”, als wir direkt vom Studium in die Vollzeitarbeit mit unserem Unternehmen übergegangen sind. Wir hatten natürlich die Kenntnisse aus unseren jeweiligen Studienbereichen, aber als Gründer muss man sich in sehr vielen Bereichen auskennen. Da sind z.B. steuerliche und rechtliche Themen. Dann Themen wie Mitarbeiterführung und -motivation, der Umgang mit den Kunden, die Strategieentwicklung usw., über all das muss man sich als Gründer und Unternehmer auskennen. Es gibt also extrem viele verschiedene Bereiche, über die man den Durchblick haben muss. Wir haben uns die Themen v.a. über das Lesen vieler Bücher und den Austausch mit anderen Unternehmen angeeignet, aber natürlich auch dadurch, dass wir Fehler gemacht und daraus gelernt haben.

Schaffst du es dann überhaupt Berufliches von Privatem zu trennen? Gibt es Schwierigkeiten oder Grenzen?

Das ist eine sehr gute Frage (lacht). Für mich gibt es eigentlich keine Trennung. Ich bin 24/7 im Kopf bei der Firma. In den guten Zeiten ist das sehr schön, man fühlt sich gut und freut sich über den Erfolg. Aber es gibt leider auch die schlechten Zeiten, die können dann auch mal zu schlaflosen Nächten und vielen Sorgen führen. Wir sind Gründer mit Leib und Seele und deshalb gedanklich immer bei der Firma. Es kommt also schon mal vor, dass du nachts um drei Uhr aufwachst und dir denkst ‘wie geht es jetzt weiter mit uns!?’.

An den Wochenenden versuche ich aber trotzdem mir Auszeiten zu gönnen, mit Freunden und Familie Zeit zu verbringen und so gut es geht abzuschalten.

Was hilft dir besonders gut dabei den Kopf frei zu kriegen?

Sport ist definitiv gut um den Kopf frei zu bekommen und natürlich um körperlich fit zu sein, das hilft auch einfach im Alltag. Außerdem führt ein fitter Körper auch zu einem fitten Geist. Was ich persönlich noch cool finde, ist Meditation, v.a. hilft das im Umgang mit negativen Emotionen. Diese versucht man meistens eher zu unterdrücken. Wenn man diese negativen Emotionen aber auch mal zulässt, hilft das dabei sie abzuschwächen. Das hat mir extrem geholfen, insbesondere auch als Gründer und Unternehmer mit dem Druck umgehen zu können. Ansonsten natürlich wie gesagt Familie und Freunde, wobei es da dann auch oft wieder um die Firma geht (lacht).

Das passt gerade gut, darauf bezieht sich nämlich die nächste Frage. Du bist ja mit allen Kollegen/-innen auch gut befreundet. Wie bekommst du im Umgang mit den Kollegen die richtige Mischung aus Freund und Chef hin? Musst du da irgendwo “Grenzen ziehen”?

Für Christian und mich war ein freundschaftliches Betriebsklima von Anfang an sehr wichtig, dass wir eigentlich wie eine Familie sind und uns auch außerhalb vom Berufsalltag gut verstehen und gemeinsam Sachen unternehmen. Natürlich ist das nicht immer ganz einfach zu sagen, ich muss da jetzt eine Grenze ziehen zwischen Beruf und Privatem. Aber eigentlich ergibt sich dieses Problem bei uns nicht, denn alle unsere Mitarbeiter sind so hoch motiviert, zielorientiert und intelligent um zu wissen, dass man ab und zu eben auch arbeiten und Leistung bringen muss.

Ich finde es manchmal selber fast verrückt, wenn ich darüber nachdenke, dass wir Chefs von 12 bis 13 Leuten sind. Da mussten und müssen wir natürlich immer wieder dazu lernen, was es eigentlich bedeutet Mitarbeiter zu führen und zu motivieren. Uns war es auch immer wichtig nicht den “Boss raushängen zu lassen”, sondern in flachen Hierarchien miteinander zu arbeiten. Ich denke, das klappt wirklich gut bei uns. Ich sehe darin auch einen großen Vorteil, weil sich jeder bei uns wohlfühlt und gerne Teil des Teams ist.

Gibt es trotz allem auch mal Tage, an denen du einfach keine Lust auf die Arbeit hast, du unmotiviert bist, du vielleicht sogar an deiner Entscheidung selbst gegründet zu haben zweifelst?

Also ganz grundsätzlich, wenn man über Leben und Erfolg nachdenkt, gibt es immer plus und minus, positiv und negativ, dementsprechend auch motiviert und unmotiviert. Ich bin ziemlich extrem darin meinen Alltag zu “tunen”. Ich versuche also Dinge einzubauen, die mich motivieren. Rückblickend auf die letzten drei Jahre habe ich aber auch festgestellt, dass es nicht immer funktioniert das zu beeinflussen. Deswegen klar habe auch ich Tage, an denen ich nicht so motiviert bin und an denen solche Zweifel aufkommen können. Was dann oft hilft, ist dies einfach zu akzeptieren und damit den Druck raus zunehmen, dass es heute eben mal nicht so läuft. Das in Kombination mit dem Grundsatz „motion creates emotion“ (gehört bei Tony Robbins) – also der bewussten kurzzeitigen Ablenkung durch Bewegung z.B. anhand eines Spazierganges – führt oft sogar dazu, dass man am Ende doch wieder motiviert ist. Man kann aber generell sagen, dass auf jeden Fall die Tage überwiegen, an denen ich motiviert auf die Arbeit gehe und mich freue, mit meinen Mitarbeitern zusammenzuarbeiten.

Wie sieht denn dann dein Arbeitsalltag aus, wenn es sowas überhaupt bei dir gibt?

Stimmt, meine Tage sind meistens ziemlich unterschiedlich. Mal habe ich den ganzen Tag Meetings, Termine auch mit Kunden, mal habe ich aber auch Tage an denen ich sehr produktiv und fokussiert arbeite. Da diese Tage meist ähnlich ablaufen, kann ich darauf mal näher eingehen.

Ganz wichtig ist für mich sich erstmal einen Plan zu machen, was man alles erledigen will und muss. Es hilft unglaublich viel sich den Tag in “time slots” zu unterteilen und sich so zu organisieren. Als allererstes muss ich mir aber erstmal einen Kaffee holen, ohne Kaffee geht bei mir gar nichts (lacht laut). Das ist vielleicht mein kleines Laster. Ich gehe dann erstmal unsere Kanban Board durch und schaue, was es zu tun gibt, welche Aufgaben Priorität haben. Anschließend strukturiere ich mir, wann ich was erledigen möchte. Ich versuche am Ende eines Arbeitstags das Ganze auch immer nochmal zu reflektieren. Dabei überlege ich mir, was habe ich geschafft und was nicht. Wenn z.B. was liegen geblieben ist, dann plane ich das direkt für den nächsten Tag ein.

Für mich ist auf jeden Fall wichtig eine gewisse Struktur hereinzubringen und immer das eigene Tun zu reflektieren. Es hilft auch total sich zu überlegen, was einem dabei hilft noch produktiver zu sein. Mir hilft auf jeden Fall Musik, es arbeiten hier ja viele mit  sogenannten “noise-cancelling” (Anm.: mit aktiver Lärmkompensation) Kopfhörern, und natürlich regelmäßige Pausen, auch wenn das manchmal schwerfällt diese einzuhalten und man sich geradezu dazu zwingen muss.

Man könnte also schon fast sagen, dass bytabo sozusagen “euer Baby” ist, das ihr aufziehen, erziehen, ernähren, weiterentwickeln müsst… Würdest du dem zustimmen?

Ich denke, das ist tatsächlich eine ganz gute Metapher. Man weiß ja z.B. nie in welche Richtung es langfristig mit dem Unternehmen gehen wird. Gerade in der heutigen digitalen Welt verändert sich alles so schnell, dass man heute nicht sagen kann, wo das Unternehmen in 10, 15, 20 Jahren stehen wird. Bei einem Kind kann man das genauso wenig voraussagen, wie es sich entwickeln wird. Wie bei der Erziehung von einem Kind mit vielen Höhen und Tiefen, gibt es genauso schwierige, anstrengende Phasen bei einem Unternehmen. Und klar du liebst dein Kind und so lieben wir auch unser Unternehmen. Da steckt viel Herzblut und Passion drin und das coolste daran ist, dass nicht nur wir  also Christian und ich das so empfinden, sondern jeder Mitarbeiter hier. Jeder trägt ein bisschen Last auf seinen Schultern, kann sich mit dem Unternehmen identifizieren und möchte es voranbringen. Keiner macht hier “einfach nur seinen Job”, sondern eigentlich liebt jeder bytabo.

Vielleicht noch eine allerletzte Frage: Was sind deine persönlichen und beruflichen Ziele für die nächsten 10–20 Jahre?

Das ganz entscheidende ist, dass du immer wieder Herausforderungen begegnen wirst, die anfangs nicht machbar aussehen, die du am Ende aber trotzdem bewältigst. Dafür brauchst du vor allem den Willen dazu. Diese Bewältigung immer wieder zu erleben ist unheimlich motivierend und entwickelt einen als Persönlichkeit immens weiter. Diese persönliche Weiterentwicklung ist für mich deshalb auch sehr wichtig. Ansonsten möchte ich z.B. meine rhetorischen Fähigkeiten verbessern, da u.a. im Kontakt mit Kunden eine gute Rhetorik hilft jemanden von der eigenen Idee überzeugen zu können. Was ich an dieser Stelle jedoch anmerken möchte wir wollen unseren Kunden immer einen ehrlichen Mehrwert verkaufen, dabei immer authentisch bleiben und ihnen nicht einfach “irgendetwas andrehen”. In sportlicher Hinsicht will ich weiterhin fit bleiben.

Für das Unternehmen ist unser Ziel irgendwann auch ein Produkt aufzubauen, das wir verkaufen können. Aktuell sind wir ja hauptsächlich im Servicebereich tätig, helfen also unseren Kunden auf Projektbasis in Form von individuellen Anwendungen/Lösungen weiter. Außerdem wünsche ich mir natürlich auch weiterhin ein so cooles Team um mich zu haben, dass wir weiter wachsen und uns weiterentwickeln.

Hat euch das Interview gefallen? Wollt ihr noch mehr über unsere Digital Crew erfahren? Lasst uns gerne einen Kommentar zurück!

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