„Lesen stärkt die Seele“ (Voltaire) – Buchkultur bei der Digital Crew

Das Lesen ist (neben dem Schreiben und Rechnen) eines der ersten Dinge, die wir in der Schule lernen. Allein deshalb muss dem Lesen eine besondere Bedeutung zu Grunde liegen. Es gibt die Bücherwürmer unter uns, die ein Buch nach dem anderen verschlingen und Stammkunde in Bücherei oder Buchhandlung sind. Es gibt aber auch Menschen für die lesen hauptsächlich aus der morgendlichen Zeitung besteht – was schon mal besser ist als nichts – oder die nur lesen, wenn unbedingt nötig. Manch einer von uns wurde wohl spätestens in der Sekundarstufe oder Studium gezwungen sich in das ein oder andere Buch zu knien.
Im Gespräch mit Niklas, CEO und Mitgründer von bytabo, ging es ebenfalls um das Thema Bücher und Lesen, insbesondere um die Lesekultur, die Niklas verfolgt und inwiefern ihm diese hilft sich tagtäglich weiterzuentwickeln.

Welche Rolle spielt Lesen für Dich?

Eine sehr große. Insbesondere deshalb, weil ich dadurch extrem viel gelernt habe, was mir heute in meinem unternehmerischen Alltag sehr hilft. Wir haben ja direkt aus dem Studium heraus gegründet und hatten dementsprechend damals an vielen Stellen ein großes Wissensdefizit. Dies konnten wir zum Teil sehr gut durch Bücher ausgleichen und durch Lesen extrem viel lernen. So zum Beispiel in den Bereichen allgemeines Unternehmertum, Unternehmensstrategien, BWL-Grundwissen, Führung, Projektmanagement, Mindset und vielen mehr.

Wie kann man „effektiv“ lesen? Und wieso sollte man das tun?

Für mich funktioniert es sehr gut, eine Leseroutine im Alltag zu haben. Ich stehe zum Beispiel aktuell um 5 Uhr auf und lese dann immer erst mal eine Stunde. Frühs bin ich fit im Kopf und kann das Wissen sehr gut aufnehmen. Dadurch, dass es eine Routine ist, die ich mir so angewöhnt habe, ist es fester Bestandteil meines Tages und es fällt mir nicht schwer das jeden Tag durchzuziehen. 

Ich würde jedem empfehlen sich auch so eine Gewohnheit aufzubauen, denn wenn man immer wieder zu unterschiedlichen Zeit liest – “wenn es halt gerade reinpasst” – dann wird meistens doch nichts daraus. Wobei ich nicht abstreiten will, dass das auch für manche Menschen funktionieren kann. Wichtiger Tipp, falls man sich so eine Leseroutine aufbauen möchte: Nimm dir dafür 3-6 Monate und versuche in dieser Zeit nur an dieser einen Gewohnheit zu arbeiten, wenn du parallel auch noch mehr Sport machen und eigenständig eine neue Sprache lernen willst, dann wird das nicht funktionieren.

Hast du schon immer gern und viel gelesen oder hat sich das erst über die letzten Jahre entwickelt?

Ich habe – und das muss ich zu meiner Schande gestehen – früher überhaupt gar nichts gelesen. Das kam erst, als ich anfing, mich für die Gründungsthematik zu interessieren und vor allem später, als ich das Unternehmen mitgegründet habe mit der Notwendigkeit, das fehlende Know-How auszugleichen. Als ich gemerkt habe, welchen extremen Effekt das Lesen auf mich hat, habe ich das ganze verstärkt und mittlerweile lese ich am Tag insgesamt zwischen ein und zwei Stunden bei durchschnittlich einem Buch pro Woche.

Oft vergisst man leider sehr schnell Gelesenes. Wie ist deine Taktik um den Input in Erinnerung zu behalten? Hast du ein systematisches Vorgehen?

Beim Lesen markiere ich mir wichtige Stellen mit einem Textmarker und kennzeichne die Seite mit einem Post-It. Wenn ich das Buch fertig gelesen habe, wiederhole ich es nochmal und schreibe mir parallel zusätzlich die allerwichtigsten Facts nochmal digital auf. Das Ganze mache ich immer in Englisch um auch meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Meine Notizen stelle ich dann in unser Wissensmanagement-Tool – so können auch andere davon profitieren.

„Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.” – Aldous Huxley

Welche Bücher liest du? Was ist dein Lieblingsbuch?

Ich lese ausschließlich Sachbücher. Das Buch, das den größten Einfluss auf mich hatte und in dem ich am meisten gelernt habe, ist “Wie man Freunde gewinnt” von Dale Carnegie. Darin geht es generell um den Umgang und die Kommunikation mit anderen Menschen und wie man es schafft andere aufzubauen und zu motivieren.

Wie kommst du auf die Bücher, die du liest? Wie findest du sie?

Ich folge in den sozialen Netzwerken (Instagram, Facebook, Podcasts, Blogs etc.) vielen Unternehmern. Häufig erhalte ich von diesen oder auch von befreundeten Gründern Buchempfehlungen. Ansonsten wird in vielen Büchern auch auf andere gute Literatur verwiesen. Außerdem checke ich auch gerne einfach mal auf Amazon, was es so gibt und finde dort auch immer recht schnell Bücher, die mich interessieren.

Wie wird die Bücher- und Lesekultur bei uns (bytabo) umgesetzt?

In der großen Teambesprechung, die wir alle zwei Wochen haben, wird immer mal wieder ein Buch vorgestellt, das einen Mitarbeiter besonders begeistert hat. Weiterhin tauschen wir uns aber auch so sehr oft über Bücher und unsere Learnings darin aus. Wie schon angesprochen, haben wir auch eine stetig wachsende Anzahl an Buchzusammenfassungen in unserem Wissensmanagement-Tool, die von jedem Mitarbeiter genutzt werden dürfen. Ich denke eine große Auswirkung hat auch, dass Christian und ich einfach absolute Buchfans geworden sind und das auch entsprechend vorleben. Achja: Zu Weihnachten gibts auch für jeden Mitarbeiter immer ein passendes Buch.

Du liest hauptsächlich „klassische“ Bücher in Papierform. Wieso keine/kaum eBooks? Was magst du daran?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube da gibt es einfach zwei Lager. Dass ein eBook z.B. auf einem Amazon Kindle unkompliziert und komfortabel zu lesen ist, ist mir durchaus bewusst. Aber irgendwie liebe ich einfach die Haptik eines physischen Buches. Mit einem Textmarker die Passagen anzustreichen, es in einem Buchregal aufzubewahren und bei Bedarf dort herauszuholen, wenn ich etwas nachlesen möchte – auch wenn es für den Gründer eines Digitalunternehmens vielleicht nicht ganz passend ist – ich liebe es einfach.

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ – Augustinus Aurelius

Was für einen Tipp hast du für jemanden, der absolut ungern liest, sich aber dennoch up-to-date halten bzw. weiterbilden möchte?

Ich glaube man sollte sich zunächst einfach mal bewusst machen, was für eine Auswirkung das Lesen auf einen hat. Selbst wenn man nur 15 Minuten am Tag liest, sind das im Jahr über 91 Stunden, die man in seine persönliche Weiterbildung investiert. Und ich glaube auch daran, dass es für jede Person Bücher gibt, die sie interessieren und fesseln. Man muss nur die richtigen finden und darf nicht gleich aufgeben, wenn man mal ein Buch hat, was einen nicht so mitnimmt. Wenn das Warum (also warum lese ich?) klar ist und man sich bewusst gemacht hat, welche Thematiken einen interessieren, dann findet man auch die richtigen Bücher für sich.

Wenn jemand trotz alledem nichts mit Lesen anfangen kann, dann würde ich Hörbücher empfehlen. Diese haben noch den zusätzlichen Vorteil, dass man sich nicht extra Zeit dafür nehmen muss, sondern sie dann hören kann wenn man – ich nenne das – Deadpoints in seinem Alltag hat. Also tote Zeit – wie zum Beispiel beim Auto fahren, Aufräumen, Kochen, U-Bahn fahren, generell wenn man warten muss oder beim Spazieren gehen.

Eine weitere Empfehlung wären Podcasts. Im unternehmerischen Kontext besonders zu empfehlen, wären z.B. der Smart Entrepreneur Radio Podcast von Matthew Mockridge (er führt ihn leider nicht mehr aktiv weiter aber alle alten Folgen sind noch online), der Bewohnerfrei-Podcast von Tobias Beck oder die Folgen der Entrepreneur-University.

Hast du neben “Wie man Freunde gewinnt” noch ein paar weitere Bücher für uns, die dich ganz wesentlich beeinflusst haben und aus denen du am meisten mitnehmen konntest?

Na klar:

Als Unternehmer sollte jeder unbedingt Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer von Stefan Merath (die zwei anderen Bücher von Stefan Merath Die Kunst, seine Kunden zu lieben und Dein Wille geschehe – Führung für Unternehmer sind auch absolut zu empfehlen) gelesen haben.

Im Bereich Networking fand ich Geh nie alleine essen! von Keith Ferrazzi extrem stark.

Im Bereich Selbstoptimierung / Erfolg hat mir Perfekt! – Der überlegene Weg zum Erfolg von Robert Greene super gefallen. Darin sind die Lebensgeschichten der größten Persönlichkeiten kurz dargestellt zusammen mit den Aspekten, die wir jeweils daraus lernen können.

Im spirituellen Kontext waren Der Pfad des friedvollen Kriegers von Dan Millman und Der Mönch, der seinen Ferrari verkauft von Robin Sharma extrem starke Bücher.

Absolute Grundlage für das persönliche Mindset ist für mich “Die Gesetze der Gewinner” von Bodo Schäfer.

Und das Buch, das von allen wohl den allergrößten Einfluss auf mich hatte, war Das Robbins Power Prinzip von Anthony Robbins. Den größten Einfluss, weil ich durch dieses Buch damals den Gedanken gefasst habe, ein Unternehmen zu gründen. Außerdem habe ich dadurch verstanden, dass ich derjenige bin, der entscheiden kann, wie sich mein Leben entwickelt und wo ich in 10, 20, 30 Jahren und am Ende meines Lebens stehen werde.

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